Einen kompletten Medaillensatz und möglichst einem Titel strebt Bundestrainer Werner Nauber bei den am Freitag beginnenden Weltmeisterschaften Ski nordisch der Behinderten in Vuokatti (Finnland) an. Die Wettbewerbe in der 600 Kilometer nördlich von Helsinki gelegenen Wintersportstadt sind der erste große internationale Vergleich für über 100 Sportler aus 20 Nationen nach den Winter-Paralympics 2006 in Turin.
"Wir haben eine Durststrecke überwinden müssen und auch finanziell einige Probleme gehabt", so Werner Nauber mit einem Rückblick auf die kurzfristige Absage der 2007 in der Schweiz geplanten Weltmeisterschaft sowie die Saison 2008. Um so optimistischer stimmte ihn die gute Form aller WM-Kandidaten beim Dezember-Trainingslager in Livigno, bei dem die WM-Plätze nach Qualifikationswettkämpfen vergeben wurde. Erst nach der Weltmeisterschaft sind weitere Weltcup-Rennen sowie die Pre-Paralympics in Whistler (Kanada) terminiert.
Einen ersten größeren Rückschlag musste das deutsche Team Mitte Januar bei den nationalen Meisterschaften in Nesselwang hinnehmen. Dort konnten sich die Asse des DBS zwar auch gegen ihre Konkurrenten aus Österreich und der Schweiz ziemlich deutlich durchsetzen. Doch ein schwerer Sturz der Titelanwärterin Verena Bentele (Tettnang) trübte die Stimmung. Hatte der Bundestrainer zunächst noch gehofft, die blinde Paralympicsiegerin und mehrfache Weltmeisterin in dieser Saison noch einsetzen zu können, muss die Studentin jetzt sogar nach Komplikationen um die Fortführung ihrer sportlichen Karriere bangen. Die erhofften Medaillen in Vuokatti fallen mit Sicherheit aus.
Die Hoffnungen der deutschen Mannschaft in den Langlaufwettbewerben ruhen jetzt in erster Linie auf den Routiniers Frank Höfle (Isny) und Thomas Oelsner (Oberhof), denen Werner Nauber eine sehr gute Form attestiert. "Frank Höfle ist mindestens so gut wie in Turin und hat auch im letzten Winter schon überzeugt", lobt der Bundestrainer den Sehbehinderten, der von Begleitläufer Johannes Wachlin geführt wird.
Auch Höfle selbst strahlt viel Optimismus aus: "Bei den Meisterschaften ließ es gut und ich konnte zuletzt zu Hause in Isny bestens trainieren", erklärt der 41-Jährige, der wie in den Vorjahren im Biathlon nicht antreten wird.
Doppelstarts im Langlauf und Biathlon plant dagegen der Einstockläufer Thomas Oelsner, der sich in diesem Jahr vor allem im klassischen Stil noch einmal verbessert hat. Sein Fokus wird allerdings auf den Skating-Rennen in seiner bevorzugten Disziplin liegen. Auch im Biathlon traut im Nauber Spitzenplätze zu, "wenn er besser schießt als in Nesselwang." Hatte er in Livigno noch mit fehlerfreien Schießeinlagen geglänzt, blieben bei der DM gleich acht Scheiben stehen.
Etwas skeptischer beurteilt der Bundestrainer aus Sehmatal die Aussichten des Freiburgers Willi Brem auf Medaillenplätze. Der mit Begleitläufer Florian Grimm antretende Blinde überzeugte noch im Dezember mit einer guten Frühform. Bei den Meisterschaften in Nesselwang kam er jedoch mit einem großen Rückstand auf Frank Höfle ins Ziel und machte nicht den frischesten Eindruck.
Voll im Plan ist der contergangeschädigte Josef Giesen aus Herzlake, der wie in den Vorjahren alles auf die Biathlon-Rennen setzt. "Er ist immer sehr zuverlässig vorne dabei und im Biathlon immer zu beachten", meint Werner Nauber zu den Chancen des während der WM 47 Jahre alt werdenden Giesen. Das "Nordlicht" in der deutschen Mannschaft legte zuletzt noch ein privates Trainingslager in der Nähe seines Trainers in Oberwiesenthal ein, laboriert derzeit aber noch an leichten Problemen im Rückenbereich.
Auf die Rennen im klassischen Stil konzentrieren wird sich in Vuokatti mit Jörg Baldauf der zweite Starter aus Isny, der sich trotz fehlender Kaderzugehörigkeit noch einmal für die Weltmeisterschaft qualifizieren konnte. Das deutsche Sextett wird komplettiert durch den jungen Schlittenfahrer Martin Fleig. Der 18-Jährige schnuppert in Finnland zum ersten mal internationale Wettkampfluft und hat vor allem körperlich noch Rückstände. "Ein Platz unter den ersten 10 wäre daher schon ein großer Erfolg", so Werner Nauber, der dem Freiburger aber eine gute technische Entwicklung attestiert und ihn auch im Hinblick auf die deutsche Staffel bei den Paralympics 2010 in Vancouver weiterhin behutsam aufbauen will.
Die deutsche Mannschaft, zu der neben Teammanager Martin Haag und Physiotherapeut Sepp Plenk auch der neue Mannschaftsarzt Lars Meiworm
(Kirchzarten) zählt, fliegt am Donnerstag nach Finnland. Bei der Eröffnungsfeier am Freitag wird auch der IPC-Präsident Philipp Craven anwesend sein.
Zeitplan der WM 2009 in Vuokatti:
Freitag, 23. Januar: Eröffnungsfeier;
Sonntag, 25. Januar: Biathlon-Verfolgung;
Montag, 26. Januar: Skilangläufe CL (10/15/10 km);
Mittwoch, 28. Januar: Staffel;
Donnerstag, 29. Januar: Skilanglauf FT (5/10 km);
Samstag, 31. Januar: Biathlon-Langstrecke;
Sonntag, 1. Februar: Skilanglauf-Sprint und Schlussfeier.



