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Schwäbische Zeitung

Biathlon: Klicken der getroffenen Scheiben ist Musik

Immer sein Ziel klar vor Augen: Isnys einziger Biathlet Matthias Weh.

Immer sein Ziel klar vor Augen: Isnys einziger Biathlet Matthias Weh. (Foto: MICHAEL LOSKARN)

Isny/Nesselwang / mil Wintersport heißt Wintersport, weil im Winter Sport getrieben wird. Logisch! Doch dies ist schon lange nicht mehr der Weisheit letzter Schluss. Was treiben denn Wintersportler im Sommer alles, um für den nächsten Winter gerüstet zu sein? In unserer Sommerserie nähern wir uns Stück für Stück der Aufklärung dieser Frage. Heute steht Isnys einziger Biathlet, Matthias Weh, im Blickpunkt.

Schüsse hallen durch die Anlage des Trendsport-Centers Nesselwang. Dicht gefolgt vom Klicken der getroffenen Scheiben. Das wohl schönste Geräusch für Biathlet Matthias Weh vom WSV Isny. Auf Skirollern – dem etwa 60 Zentimeter langen Trainingsgerät der Langläufer und Biathleten – fegt der Gymnasiast über den feinen Asphalt am Ortsrand des Allgäu-Städtchens. Immer wieder eine etwa dreihundert Meter lange Runde: Vollgas, um im Schießstand Tempo rauszunehmen, das Gewehr von den Schultern zu wuchten – in einem schnellen, aber feinkoordinierten Bewegungsablauf –, anzulegen und die fünf Scheiben umzuknallen. Stehend leistet sich der 17-Jährige keine „Fahrtkarte“, wie die Biathleten zu Fehlschüssen sagen. Liegend geht einer daneben.

„Einer von fünf, das geht noch“, bilanziert Weh im Vorbeihuschen. „Irgendwie drücke ich das Kleinkaliebergewehr beim Liegendschießen im Moment nicht richtig in die Schulter“, fachsimpelt der junge Leistungssportler später in einer kurzen Pause. Bis zum Winter hat der Schüler des Leutkircher TG ja noch etwas Zeit. Vor sich hat er jedoch noch einen Riesenhaufen harte Trainingsarbeit. „Im Frühjahr trainieren wir viel mit dem Mountainbike und machen viel Crosslauf. Joggen liegt mir aber nicht so“, ist der Isnyer selbstkritisch. Anfang Juli geht es dann auf die Skiroller, „das macht Spaß, das kommt dem Ski am nächsten“.



Zweimal pro Woche fahren Mutter Heidrun oder Vater Alois die rund 50 Kilometer einfach ins Biathlon-Zentrum in Nesselwang. Überhaupt, was die Wehs ihrem Sohn ermöglichen, wie sie ihn unterstützen, ist „einfach genial“, findet der Filius.

Am Anfang des Trainings stehen Trockenanschläge. „Ich erfasse das Zielbild, arbeite mich an den Druckpunkt des Abzugs heran, dann kommt es zur Plateaubildung. Mein Plateau liegt bei rund 400 bis 500 Gramm, mein Abzugsgewicht liegt bei 700 Gramm“, weiß Weh. Immer und immer wieder wird dieser Ablauf durchexerziert, um letztlich harmonisch und ohne Verreißen der Waffe den Schuss auszulösen – und das bei einer Herzfrequenz von etwa 140 Schlägen pro Minute, was die Fachleute als Schießpuls bezeichnen. Auch das Repetieren mit Zeigefinger und Daumen an der knapp 3000 Euro teuren Kleinkaliberwaffe will geübt sein. Schließlich müssen die fünf Schuss „in einem Guss“ abgefeuert werden. Bezahlt haben die Eltern das Sportgewehr.

Neben Krafttraining, medizinischen Untersuchungen, Schieß- und Lauftraining stehen vor allem die Lehrgänge mit dem Perspektivkader des Baden-Württembergischen Skiverbandes auf dem Plan des Isnyers. „Ansonsten gehe ich ab und zu mal auf Partys oder mit meiner Tante und meinem Onkel auf die Jagd“, sagt Weh. Und wie sieht’s im Leben eines Leistungssportlers mit Alkohol aus? „Ja, das gibt’s schon, aber ab Herbst wird nur noch alkoholfrei getrunken“, sagt er. Gute Einstellung: Denn im Winter will Matthias Weh ausnahmslos das Klicken der fallenden Scheiben hören.

(Erschienen: 23.08.2011 09:20)


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