Sieg-Springer werden im Sommer gemacht

Nachwuchs-Skispringerin Agnes Raisch zusammen mit Sven Lehenberger, beide WSV Isny, bei Immitationsübungen.
Nachwuchs-Skispringerin Agnes Raisch zusammen mit Sven Lehenberger, beide WSV Isny, bei Immitationsübungen. (Foto: MICHAEL LOSKARN)

Isny / mil Wintersport heißt Wintersport, weil im Winter Sport getrieben wird. Logisch! Doch dies ist schon lange nicht mehr der Weisheit letzter Schluss. Was treiben denn Wintersportler im Sommer alles, um für den nächsten Winter gerüstet zu sein? In unserer Sommerserie nähern wir uns Stück für Stück der Aufklärung dieser Frage. Heute stehen die Skispringer des Wintsportvereins Isny im Vordergrund.

Aufrecht steht der junge Mann da, mit seitlich nach unten gestreckten Armen. Seine Wangen sind so eingefallen wie eine alte Scheune nach einem viel zu harten Winter. Der nächstbeste Windhauch droht ihn gleich von dannen zu fegen. Er geht in die Hocke und schnellt katapultartig zu einem Hocksprung in die Luft, höher als unsereins mit Anlauf springt. O.K., falsch gedacht: Erstens steckt der Bursche voller Energie, und zweitens haut den nichts so schnell um. Sven Lehenberger ist einer jener Isnyer Skispringer, der auch im Sommer nahezu ausschließlich für seinen „Wintersport“ lebt.

Dem Zufall wird dabei nichts überlassen: Über eine elektronisch gesteuerte Messplatte, ähnlich einer hochintelligenten Waage, misst die Uni Freiburg die für die Explosivität notwendigen Reaktivkraftwerte. Außerdem stehen für die jungen Athleten des Baden-Württembergischen Skiverbandes immer wieder Leistungstest auf dem Laufband der Freiburger Wissenschaftler an. „Hier wird die Anaerobe-Schwelle gemessen, die Rückschlüsse auf den Trainingszustand möglich macht“, sagt Sven Lehenberger. „Und sofort entlarvt, wenn man als Skispriger mal keine Lust hat, sich auf dem Laufband völlig auszugeben“, ergänzt er schmunzelnd.


Ach ja, der Kopf!? Experten behaupten immer, Sieg-Adler würden im mentalen Bereich gemacht? „Das stimmt. Drum trainieren wir die audiovisuell Wahrnehmung.“ Aha, okay, was bitteschön? „Das ist Musik, die mit Schallwellen unterlegt wird, die psychische Blockaden lösen, die Reaktionsfähigkeit stärken sowie die Leistungs- und Regenerationsfähigkeit verbessern.“

Aber damit im Kopf alles stimmt, muss doch auch der Magen gefüllt sein? „Prinzipiell schon, aber das ist lediglich eine Frage der Ernährung“, erwidert Lehenberger. Es müsse nicht zwangsläufig eine Schweinshaxe im Magen liegen, um dem Gehirn das nötige Völlegefühl zu vermitteln. „Wir haben einen klar abgesteckten grünen Bereich, was wir essen dürfen, aber natürlich auch den roten.“ Zu vermeiden seien Kohlehydrate, tierische Fette und Einfachzucker. „Generell muss natürlich alles fettarm sein. Aber, simpel ausgedrückt: FdH hilft auch.“

(Erschienen: 05.08.2011 18:05)

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