5 WSV-Sportler in den Nationalkadern

am 26.05.2021 zurück zur Liste

Der WSV Isny hat in seiner 111-jährigen Geschichte schon große Erfolge auf internationaler Ebene gefeiert - durch die Skispringer Peter Rohwein und Maximilian Mechler etwa, oder durch Frank Höfle, der als Paralympionike in Langlauf und Biathlon glänzte. So erfolgreich wie heute war der Verein aber womöglich nie. Das liegt daran, dass er in zwei seiner drei Abteilungen in der Weltspitze vertreten ist und künftig einen Bundestrainer stellt. Und auch im dritten Bereich schickt sich der Wintersportverein aus Isny an, in den nächsten Jahren ganz oben mitzumischen. Wie er die aktuellen Erfolge bewertet, erklärt der WSV-Vorsitzende Tom Maus im Interview mit Michael Panzram.

Herr Maus, warum ist der WSV Isny gerade so erfolgreich?

Der Erfolg basiert auf der Philosophie des Vereins, dass wir dem Nachwuchs eine gute Grundausbildung geben und leistungssportlich motivieren wollen. Das zieht sich durch alle drei Abteilungen. Ob Ski Alpin, Langlauf oder Skispringen - wir wollen jungen Sportlertinnen und Sportlern den Spaß am Leistungssport vermitteln. Dass das immer wieder klappt, liegt an unseren vielen Trainern, die ganzjährig wirklich gute Arbeit leisten.

Das heißt aber, dass jede Abteilung für sich ihre Leistung bringen muss. Das bedingt sich ja nicht gegenseitig, oder?

Jede Abteilung hat fachlich sehr gut ausgebildete Trainer, die die Kinder über Jahre kontinuierlich motivieren. Dass es gerade in allen drei Bereichen gleichzeitig so gut klappt, ist ungewöhnlich. Da sind wir sehr stolz drauf.

Ganz besonders ragt Langläufer Friedrich Moch heraus, der einen überragenden WM-Winter hinter sich hat. Wie bewerten Sie seine Entwicklung?

Friedrichs Entwicklung ist einmalig und etwas ganz Besonderes. Er ist mit seinen 21 Jahren immer noch sehr jung, hat aber schon einige Erfolge erreicht, die viel Hoffnung machen für die kommenden Jahre. Er muss unbekümmert bleiben und auch das Quäntchen Glück haben, in den richtigen Momenten das Richtige zu tun. Er hat eine gute physiologische Grundlage und einen enormen Trainingseifer, ist hochmotiviert und kann es tatsächlich ganz nach vorne in der Welt schaffen. Ebenfalls sehr wichtig als Zugpferd im Verein ist Amelie Hofmann, die parallel zu Friedrich eine gute Entwicklung gemacht hat und im B-Kader ist. Und da kommen weitere Langläufer nach, die es inzwischen in den Landeskader geschafft haben.

Moch steht jetzt sogar im Olympia- beziehungsweise A-Kader von Bundestrainer Peter Schlickenrieder für die kommende Saison. Geht das womöglich etwas zu schnell?

Das ist die Belohnung für seine harte Arbeit. Peking ist das nächste Highlight für ihn. Ich hoffe, das kommt nicht zu früh, weil er in den vergangenen Jahren sehr schnell nach oben gekommen ist. Er hat aber bei der WM zuletzt bewiesen, dass er auf einem Niveau ist, das es in Deutschland schon lange nicht mehr gegeben hat.

Welche Gefahr sehen Sie für ihn?

Er ist sehr stark und sehr fokussiert. Klar ist aber, dass die Luft in der Weltspitze immer dünner wird. Und da in Deutschland ist die Dichte an sehr guten Langläufern auch nicht so groß, kann es jetzt gut sein, dass er als neuer Hoffnungsträger gesehen wird, auf dem alle Erwartungen liegen. Da kann es natürlich auch passieren, dass er verheizt wird. Das ist eine große Gefahr.

Im Skispringen hat der WSV Isny mit Agnes Reisch ebenfalls seit Jahren eine Athletin in der Weltspitze. Zuletzt war sie nicht mehr konstant Mitglied im deutschen Weltcupteam und wurde nicht für die WM nominiert. Wie sehen Sie ihre Entwicklung?

Agnes will es in der kommenden Saison wieder in den A-Kader schaffen. Diese Chance hat sie auf jeden Fall. Sie hat in den letzten fünf Jahren ihre Leistung gebracht und ist deswegen zu Recht immer wieder nominiert worden.

Auch Reisch ist ein Zugpferd für den Verein. Wie wirkt sich das aus?

Otto Maus und Amelie Neumann sind zwei junge Talente, die gerade ans Skiinternat Furtwangen gewechselt sind, um den nächsten Schritt zu machen. Die sind natürlich besonders motiviert, wenn jemand aus dem Verein im Skisprung-Weltcup startet. Das zeigt wieder, dass wir gute Grundlagenarbeit mit unseren Trainern leisten.

War der Verein schon jemals so erfolgreich?

Diese Bandbreite an Erfolgen gab es mindestens schon lange nicht mehr. Interessant ist, dass wir im Moment auch im Alpin-Bereich mit Laila und Luisa Illig gute Nachwuchssportlerinnen haben, die in der deutschen Rangliste ganz weit vorne sind. Die Entwicklung der beiden Schwestern ist sehr positiv.

Und dann hat der Verein seit wenigen Wochen auch noch einen Skisprung-Bundestrainer in seinen Reihen. Maximilian Mechler verantwortet künftig die Weltcup-Frauen und befindet sich damit auf den Spuren von Peter Rohwein, der einst die Männer-Mannschaft trainierte. Wie sehen Sie Mechler als ehemaligen Weltklasse-Skispringer in dieser neuen Rolle?

Wir im Verein sind zum wiederholten Mal stolz auf ihn, nachdem er schon als Athlet eine tolle Karriere hingelegt hat. Da ziehe ich den Hut davor, dass er sich diese Verantwortung zutraut. Das ist ein großer Job. Er ist einer der besten Trainer in Deutschland, das haben mir DSV-Verantwortliche schon mehrfach bestätigt. Fachlich hat Maxi ein Topniveau. Davon können die deutschen Skispringerinnen sicherlich profitieren. Man muss aber auch ganz klar sagen, dass ein Nationaltrainer nur nach Erfolgen und Spitzenleistungen gemessen wird. Da ist Maxi zwar darauf vorbereitet, hat das aber in diesem Maße noch nicht erlebt. Das wird die große Herausforderung sein, mit diesem Druck klarzukommen.

Bericht - Michael Panzram

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